25 Jahre RIGG: Interventionsprogramm RIGG hat sich als starkes Bündnis gegen Gewalt an Frauen etabliert


Seit seiner Gründung im Oktober 2000 hat sich das Projekt zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Gewaltprävention und -intervention in Rheinland-Pfalz entwickelt. Die Frauenhäuser, die Fachberatungsstellen für gewaltbetroffene Frauen, die Interventionsstellen und die Frauennotrufe, unterstützen Frauen und Kinder, die von Gewalt in engen sozialen Beziehungen betroffen sind. Eine weitere Säule von RIGG sind die Täterarbeitseinrichtungen, die einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention leisten, indem sie mit Tätern arbeiten und ihnen Wege aus der Gewalt aufzeigen.

„Gewalt in engen sozialen Beziehungen betrifft uns alle – als Gesellschaft, als Individuen. Jede vierte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch ihren (Ex-) Ehe- bzw. Lebenspartner oder Freund. RIGG hat in den letzten 25 Jahren einen unschätzbaren Beitrag geleistet, um diese Gewalt aus der Privatsphäre zu holen und sie als gesellschaftliches Problem zu benennen. Es setzt sich für den Schutz der Opfer und für die konsequente Sanktionierung der Täter ein. Wir können stolz darauf sein, was in Rheinland-Pfalz erreicht wurde, aber wir dürfen nicht aufhören, uns weiter entschieden für eine gewaltfreie Zukunft einzusetzen“, betonte Frauenministerin Katharina Binz.

Gewalt in engen sozialen Beziehungen ist weltweit das häufigste Gewaltdelikt und betrifft Menschen aller Altersgruppen, Bildungsstände, sozialen Schichten und Kulturen. Sie verletzt die Würde und das Selbstbestimmungsrecht der Opfer und hat oft langfristige, verheerende Folgen. Besonders in der Familie, als vermeintlich „geschütztem“ Raum, kommen physische und psychische Gewalt sowie sexuelle Übergriffe häufig vor.

In den vergangenen 25 Jahren wurden zahlreiche Fortschritte erzielt: Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz, Sozialarbeit und Frauenunterstützungseinrichtungen wurde kontinuierlich verbessert, und zahlreiche Unterstützungsangebote für betroffene Frauen und ihre Kinder sind entstanden. Insbesondere der interdisziplinäre Austausch und die Vernetzung aller Akteure im Hilfesystem, sowohl auf Landeseben, als auch auf regionaler Ebene mit den 24 regionalen Runden Tischen haben dazu beigetragen, dass von Gewalt betroffene Frauen schneller Unterstützung erhalten und Täter effektiver verfolgt werden.

„Die Errungenschaften von RIGG sind in vielerlei Hinsicht richtungsweisend, aber der Weg ist noch nicht zu Ende. Im vergangenen Jahr haben die Fälle von Gewalt in engen sozialen Beziehungen in Rheinland-Pfalz einen Höchststand erreicht. Wir werden weiterhin alles daransetzen, die Hilfsstrukturen weiter zu verbessern und präventive Maßnahmen auszubauen, um Gewalt in engen sozialen Beziehungen in Rheinland-Pfalz noch konsequenter zu bekämpfen“, so Katharina Binz.

Mit den stetigen Weiterentwicklungen der Hilfe- und Unterstützungsstrukturen für Gewaltbetroffene, der strafrechtlichen Verfolgung von Tätern und der präventiven Arbeit wird RIGG in den kommenden Jahren weiterhin an seiner zentralen Aufgabe arbeiten: Frauen und Kinder vor Gewalt zu schützen und einen klaren gesellschaftlichen Konsens gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen zu fördern. Die Arbeit von RIGG wird in den kommenden Jahren maßgeblich von der Realisierung des Aktionsplans der Landesregierung Rheinland-Pfalz zur Umsetzung der Istanbul-Konvention und des Gewalthilfegesetzes bestimmt werden. Das am 28. Februar 2025 in Kraft getretene Gesetz sieht ab dem Jahr 2032 einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt für Frauen und ihre Kinder vor. Es ist Aufgabe der Länder, ausreichende, bedarfsgerechte und kostenfreie Schutz-, Beratungs- sowie Unterstützungsangebote bereitzustellen.

Hintergrund: 

RIGG wurde aufgrund eines einstimmigen Landtagsbeschlusses vom August 1999 eingerichtet, um ein umfassendes ressortübergreifendes Konzept gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen zu entwickeln. Ziel war und ist es, diese Gewalt als öffentliches Problem zu benennen und durch ein vernetztes, abgestimmtes Vorgehen von staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen den Opferschutz zu verbessern und Täter konsequent zur Verantwortung zu ziehen.